
Warum Systeme Helden erschaffen und Schurken gebären: Die Schattenseite von My Hero Academia
- vor 3 Stunden
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Hallo! Hier ist Osamu Manga!
Kennt ihr das Gefühl, im Job nur noch nach nackten Zahlen beurteilt zu werden? „Umsatzziele nicht erreicht“, „Bearbeitungsrate zu niedrig“... Man gibt alles, um den Erwartungen gerecht zu werden, und trotzdem wird man mit einem einzigen Satz abgestempelt: „Du bist nicht gut genug.“ Dieses Gefühl, als würde einem plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen, kenne ich nur zu gut.
Und wisst ihr was? Ich glaube, dass die Helden in *My Hero Academia* genau vor derselben Problematik stehen.
Seit das „Heldentum“ ein offizieller Beruf geworden ist, wurde das, was gerettet werden muss, auf einen Bereich begrenzt, der sich messbar und quantifizierbar macht. Heute möchte ich einmal tiefer graben und der Frage nachgehen: Warum führt gerade die Zunahme an professionellen Helden dazu, dass auch die Zahl der „ausgestoßenen Menschen“ – der Villains – steigt?
Die „Top 10“ und die Logik der Starken
In der Serie gibt es die „Hero Billboard Chart“, ein Ranking, das die Hierarchie der Profi-Helden darstellt. Hier wird Stärke und Popularität durch konkrete Zahlen und Platzierungen sichtbar gemacht.
Die Top-Helden werden anhand ihrer „Leistungen“ bewertet: Wie viele Schurken wurden besiegt? Wie viele Menschen wurden gerettet? Erinnert euch das nicht auch ein wenig an ein jährliches Mitarbeitergespräch in einem Großkonzern?
Nehmen wir an, in einer Firma zählen nur der „monatliche Umsatz“ oder die „Fehlerquote“. Die wertvollen, aber schwer messbaren Taten – wie die Unterstützung eines neuen Kollegen oder die präventive Vermeidung eines potenziellen Krisenfalls – fallen bei der Leistungsbeurteilung oft völlig unter den Tisch.
Genau so ist es bei den Helden. Wenn nur die leicht quantifizierbaren Erfolge wie „Anzahl der besiegten Gegner“ oder „Schadensbegrenzung“ zählen, werden die schwerer messbaren Aspekte – wie die psychologische Betreuung oder die kleinen, stillen Rettungstaten – als „ineffizient“ aussortiert.
So wird die „reine Macht“, die sich durch Zahlen beweisen lässt, zur neuen Definition von Gerechtigkeit. Das ist der erste Schritt zur Herrschaft der Logik der Starken.
Die Tragödie Shigaraki Tomuras: Das Leben am Rand der Grenze
Schauen wir uns einen besonders traurigen Moment an: die Kindheit von Shigaraki Tomura.
Als er seine erschreckend starke „Zerfall“-Eigenschaft entwickelte, reagierte die Gesellschaft nicht als jemand, der ein Kind retten muss, sondern als jemand, der eine Gefahr kontrollieren und unterdrücken muss. Unter dem Vorwand der „Verwaltung von Spezialkräften“ wurde er als jemand abgestempelt, der außerhalb der gesellschaftlichen Regeln steht – ein Abweichler.
Das hat starke Parallelen zu unseren realen sozialen Sicherungssystemen.
Jedes staatliche System hat klare Kriterien, wer Anspruch auf Unterstützung hat. Doch oft sind es genau die Menschen, die knapp außerhalb dieser Grenzen stehen, die am dringendsten Hilfe benötigen. „Die Grenze wurde leicht überschritten, also keine Unterstützung“ oder „Die Voraussetzungen werden nicht erfüllt, also kein Anspruch“. Das Ergebnis: Menschen, die verzweifelt nach Hilfe rufen, fallen durch das Netz des Systems.
Im Anime wurde der Fokus so sehr auf die „Einhaltung der Regeln“ zur Kontrolle von Kräften gelegt, dass ein Kind, das man hätte retten können, von der Liste der zu Rettenden gestrichen wurde. Diese „Ausgrenzung an den Grenzen des Systems“ ist der Nährboden, auf dem Villains entstehen.
Wenn Rettung zur reinen Exekutive wird
Mit der Professionalisierung des Heldentyps hat sich die Rolle der Helden schleichend verändert: Von „Menschen helfen“ hin zu „Ordnung aufrechterhalten“.
In der ersten und zweiten Staffel sahen wir noch die leidenschaftliche Hingabe, das Leben im Hier und Jetzt zu retten. Doch in der späteren, etablierten Struktur gleichen Helden eher Gesetzeshütern. Das Fassen von Schurken ist zu einer reinen „Dienstleistung“ geworden.
Auch das lässt sich auf die Unternehmenswelt übertragen.
Sobald Ergebnisse quantifiziert und verwaltet werden, liegt der Fokus zwangslührend auf der Frage: „Wurde die Regel befolgt?“ oder „Wurde der Prozess korrekt eingehalten?“. Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler macht, wird oft nicht analysiert, *warum* er passiert ist, sondern er wird sofort mit dem Etikett „Regelverstoß“ belegt.
Das Ziel – das „Helfen“ – wird durch das Mittel – das „Verwalten“ – ersetzt. Wenn das passiert, sind Menschen, die nicht in das Schema passen, keine Zielgruppe für Hilfe mehr, sondern werden zu „Mängeln“, die es zu beseitigen gilt.
Ein perfektes System schafft paradoxerweise seine eigenen Feinde
Letztendlich gilt: Je etablierter der Beruf des Helden und je perfekter die gesellschaftlichen Strukturen werden, desto mehr Menschen werden durch das Raster fallen.
Das Auftauchen der „League of Villains“ ist nicht einfach nur das Erscheinen einer kriminellen Vereinigung. Es ist das Resultat von Menschen, die in den schmalen Lücken der „perfekten Ordnung“ der Profi-Helden keinen Platz mehr zum Atmen fanden und sich deshalb selbst einen Platz „außerhalb“ geschaffen haben.
Je massiver ein System wird und je mehr es versucht, alles durch Zahlen und Regeln zu kontrollieren, desto größer werden die blinden Flecken. Und diejenigen, die in diese blinden Flecken fallen, verwandeln sich schließlich in Kräfte, die versuchen, das System zu zertrümmern.
Die enorme Macht der Helden sollte eigentlich die Ordnung schützen. Doch genau dieser Mechanismus schafft eine neue Form der Spaltung.
Wenn wir diese Widersprüche erkennen, müssen wir vielleicht selbst kritisch hinterfragen: Verwandelt sich unser Streben nach „Regeltreue“ in Wahrheit in eine Form der „Ausgrenzung“?















































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