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Wenn das Ende der Anfang ist: Eine Reflexion über die Vergänglichkeit in „Frieren“

  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Kennst du das auch? Dieser kurze Moment der Wehmut, wenn dich plötzlich eine Erinnerung überkommt und dir das Herz schwer wird.

„Hätte ich nur noch ein wenig länger mit ihm gesprochen...“

„Hätte ich ihm nur aufmerksamer zugehört...“

Es ist dieses Gefühl von unumkehrbarer Reue, das sich ganz leise auf die Seele legt.

Genau dieses Gefühl fängt dieses eine Werk perfekt ein: „Frieren: Beyond Journey’arbeitung’s End“. Die Geschichte beginnt nicht mit dem großen Abenteuer, sondern mit seinem Ende. Der Dämonenkönig ist besiegt, die Heldengruppe hat ihr Ziel erreicht – wir befinden uns quasi bereits im Epilog.

Doch warum beginnt die eigentliche Geschichte ausgerechnet mit dem „Ende“? Durch die extrem langsame Zeitwahrnehmung der Elfe Frieren wird uns etwas gezeigt, das wir im Alltag ständig spüren: die bittersüße Melancholie des Abschieds.

Das unerfüllte Verlangen, den anderen wirklich zu verstehen

Zu Beginn der Handlung sehen wir die Beerdigung des Helden Himmel. Frieren, die einst seine Gefährtin war, steht dort und erkennt plötzlich eine tiefe Leere in ihrem eigenen Herzen.

*„Ich wusste, dass die menschliche Lebensspanne so kurz ist... warum habe ich nicht versucht, mehr über sie zu erfahren?“*

Dieser stille, fast zitternde Monolog ist erschütternd. Für eine Elfe, die Äonen überdauert, waren die Jahrzehnte mit Himmel nur ein flüchtiger Augenblick, wie das Vergehen einer einzelnen Jahreszeit. Erst durch seinen Tod begreift sie, dass sie ihn nie wirklich kennenlerrelernt hat.

Findest du nicht auch, dass sich das in unserem Leben oft so anfühlt? Wenn wir zum Beispiel einen geliebten Menschen oder einen Mentor verlieren, bricht oft schlagartig die Erkenntnis über, wie wenig wir eigentlich wussten. In diesem Moment werden wir von der Last der verpassten Chancen fast erdrückt: „Ich hätte mehr fragen sollen“, „Ich hätte mehr Zeit mit ihnen verbringen müssen“.

Himmels Tod – ein Ereignis, das eigentlich „abgeschlossen“ ist – wird zum eigentlichen Startpunkt von Frierens Reise. Darin liegt nicht nur Trauer, sondern eine schmerzhafte Entschlossenheit, den Wert dessen, was verloren ist, nun neu zu definieren.

Zwei Uhren, die nicht synchron laufen

Frieren, die Elfe, und Himmel, der Mensch. Zwischen ihnen klafft ein gewaltiger Unterschied in ihrer Wahrnehmung von Zeit.

Für Frieren sind Jahrzehnte kaum mehr als das Beobachten des Wandels der Jahreszeiten. Für einen Menschen hingegen ist ein solcher Zeitraum ein ganzes Leben, eine unersetzliche Ära. Diese Diskrepanz wird im Anime auf eine fast schon grausame, aber wunderschöne Weise dargestellt.

Denk nur an die Szenen, in denen sie alte Orte wiederbesuchen. Für Frieren mag es sich anfühlen, als würde sie nur eine vertraute Landschaft erneut betrachten. Doch für Himmel war jeder dieser Momente ein kostbares Fragment seiner sterblichen Existenz, ein Augenblick, der niemals wiederkehren würde.

Solche „Unstimmigkeiten“ begegnere auch uns im Alltag. Da ist der Mensch, der nur an den beruflichen Aufstieg denkt, und der andere, der den Fokus auf die Erfüllung des Hier und Jetzt legt. Oder das Paar, bei dem einer in ferner Zukunft plant, während der andere das heutige Erlebnis in den Mittelpunkt stellt. Gerade weil uns Menschen wichtig sind, können diese unterschiedlichen „innere Uhren“ zu einer einsamen Kluft führen.

Wenn wir Frieren beobachten – die nach außen hin so distanziert wirkt, aber im Inneren eine tiefere Liebe trägt als jeder andere –, werden wir unweigerlich dazu angehalten, unsere eigene Zeitwahrnehmung zu hinterfragen.

Eine Reise durch die Vergangenheit, die die Gegenwart formt

Im Verlauf der Geschichte folgt Frieren den Spuren ihrer ehemaligen Gefährten. Sie entdeckt die kleinen guten Taten, die Himmel hinterlassen hat, und die magischen Samen, die er säte. Mit jedem Fund setzt sie die Fragmente der vergangenen Reise wieder zusammen.

Dinge, die sie früher für belanglose, bedeutungslose Kleinigkeiten hielt, erkennt sie nun als das Fundament, das sie als Person geprägt hat.

Das erinnert mich sehr an die Nostalgie unserer eigenen Jugend – an jene unbedeutenden Nachmittage nach der Schule oder das Lachen mit Freunden. Damals dachten wir, die Zeit würde einfach nur vergehen. Doch als wir erwachsen werden und sich unsere Lebensumstände oder die Distanz zu geliebten Menschen verändern, merken wir erst, wie viel kostbarer diese vermeintlich trivialen Gespräche eigentlich waren.

So wie Frieren durch das Nachverfolgen von Himmels Spuren eine Art „geistigen Dialog“ mit ihm führt, auch über dessen Tod hinaus, so können auch wir durch die Rückschau auf unsere Vergangenheit unser heutiges Ich sanft heilen und neu verstehen.

Warum beginnt die Geschichte am Ende des Abenteuers? Weil es Werte gibt, die man nur durch das Verständnis des Verlusts wirklich begreifen kann. Die Geschichte offenbart die Grausamkeit der Zeit, aber auch die unbeschreibliche Schönheit der Liebe, die in ihr verborgen liegt.

Wann immer ich an Frieren denke, wie sie im Abendlicht vor der Statue von Himmel steht, möchte ich eines mir selbst sagen: Lebe die Zeit, die dir vorliegt, bewusster, achtsamer und mit viel mehr Wertschätzung.

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**Weitere Themen in diesem Blog:** *Re:Zero – Starting Life in Another World, Atelier: Esoterica, Ascendance of a Bookworm, Chainsaw Man, Demon Slayer.*

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